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Wir haben einen toxischen Mangel an Männlichkeit

Eine Gesellschaft kann vergessen, was einst selbstverständlich war: Männer und Frauen sind unterschiedlich – und diese Unterschiede sind kein Defekt, sondern eine Stärke.

Die Entwertung des Mannes

Es gibt Zeiten, in denen eine Gesellschaft vergisst, was sie einmal als selbstverständlich angesehen hat. Eine davon ist die schlichte Tatsache, dass Männer und Frauen unterschiedlich sind – und dass diese Unterschiede kein Defekt sind, sondern eine Stärke. Besonders für junge Männer wird das heute systematisch verdreht. Ihnen wird beigebracht, dass fast alles, was traditionell als männlich gilt – Härte, Durchsetzungsvermögen, emotionale Zurückhaltung, körperliche Präsenz, die Bereitschaft, Verantwortung zu tragen und Risiken einzugehen – irgendwie «toxisch» sei. Gut sei man erst dann, wenn man möglichst weich, emotional offen in jeder Situation und im Idealfall gleich ganz die eigene biologische Geschlechtlichkeit hinterfrage. Heute muss sich ein Mann als trans oder schwul definieren, um für seine Männlichkeit – eine angeblich neue Männlichkeit – gefeiert zu werden. Doch genau das ist eben keine Förderung von Vielfalt, sondern von Einfalt. Es ist eine ideologische Entwertung des Mannes an sich.

Andi und ich bei einer gefährlichen und anstrengenden Tätigkeit. Zum Glück nur KI, weil ich in der Schule aufgepasst habe.
Andi und ich bei einer gefährlichen und anstrengenden Tätigkeit. Zum Glück nur KI, weil ich in der Schule aufgepasst habe.

Vorbilder braucht es mehr denn je

Gestandene Männer, die ihr Männlichsein nicht verstecken, sondern klar und unaufgeregt leben, sind deshalb wichtiger denn je. Nicht als Karikatur des «Alpha-Machos», der dauernd brüllt und dominiert. Sondern als Männer, die wissen, wann Härte gefragt ist und wann nicht. Die Verantwortung übernehmen, die standhalten, wenn es unangenehm wird, die schützen, was schützenswert ist, und die nicht bei jeder Kleinigkeit ihre Gefühle ausbreiten müssen, um «authentisch» zu wirken.

Jeder junge Mensch braucht Vorbilder.  Ein junger Mann, der in der heutigen Welt aufwächst, in der männliche Eigenschaften pauschal unter Generalverdacht stehen, braucht Männer, die ihm zeigen, dass sie sich nicht verleugnen und ihre Gedanken nicht verstecken müssen. Dass es nicht nur okay, sondern eben wirklich männlich ist, zu widersprechen, seinen Willen, wenn nötig, auch kompromisslos durchzusetzen und gegen den Strom zu schwimmen.

Nicht nur junge Männer, sondern wir alle brauchen Männer, die zeigen: Es ist in Ordnung, stark zu sein. Es ist in Ordnung, manchmal hart zu sein. Es ist in Ordnung, nicht jede Emotion sofort nach aussen zu tragen. Stoizismus ist keine Unterdrückung – er ist eine Form von Selbstbeherrschung. Wer in jeder Situation weinen, reden und «sich öffnen» muss, wird nicht automatisch besser oder gesünder. Manchmal ist die richtige Reaktion schlicht: aushalten, entscheiden, handeln.

Härte ist kein Defekt

Es gibt Situationen, in denen emotionale Offenheit der falsche Modus ist. Wenn Verantwortung getragen werden muss, wenn jemand geschützt werden muss, wenn eine schwierige Entscheidung fällt, dann braucht es Klarheit und Härte – nicht ein ständiges Spiegeln von Gefühlen. Das bedeutet nicht, Gefühle zu leugnen oder sie zu unterdrücken, bis man daran zerbricht. Es bedeutet, sie zu ordnen und nicht zum alleinigen Massstab des Handelns zu machen. Ein Mann, der in der Lage ist, auch einmal «hart» zu sein, ist kein emotionaler Krüppel. Er ist handlungsfähig.

Die heutige Erzählung dreht das um: Jede Form von männlicher Härte wird als potenziell gefährlich schlechtgeredet, während Weichheit und ständige Verletzlichkeit als moralischer Fortschritt gelten.

Das ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich für die, die es glauben. Junge Männer, die lernen, dass ihre natürlichen Impulse grundsätzlich problematisch sind, verlieren Orientierung – und Orientierung ist das, woran es unserer post-religiösen Gesellschaft am meisten mangelt.

Was Frauen tatsächlich wollen – und das Problem der Pick-me-Boys

Am Ende sind es übrigens oft Frauen selbst, die sich einen gestandenen Mann wünschen.

Denn Frauen suchen nicht das Spiegelbild ihrer selbst. Nicht jemanden, der in allem genauso fühlt, denkt und reagiert wie sie. Sondern jemanden, der sie ergänzt. Der in Bereichen stark ist, in denen sie selbst vielleicht anders gepolt sind. Der Stabilität, Schutz und Klarheit mitbringt – und gleichzeitig Respekt und echte Verbindung.


In diesem Zusammenhang wird gerne über «Pick-me-Girls» gesprochen – Frauen, die sich besonders anbiedern, um von Männern gemocht zu werden. Doch das eigentliche Problem sind nicht die wenigen Pick-me-Girls. Im Gegenteil: Wir haben eine Pandemie der Pick-me-Boys: Erwachsene Männer, die nichts anderes tun, als krampfhaft zu vermeiden, bei Frauen anzuecken. Die sich anbiedern, die jede feministische Phrase nachplappern, die ihre eigene Männlichkeit kleinreden und sich unterwürfig geben, in der Hoffnung, dadurch Anerkennung zu bekommen. Das ist am Ende nicht zielführend. Denn sogar die paar Hardcore-Feministinnen, die weder lesbisch noch geisteskrank sind, bevorzugen jederzeit einen echten Kerl gegenüber einem anbiedernden, unterwürfigen Männlein. Anziehung entsteht nicht durch Selbstverleugnung, sondern durch Authentizität und Komplementarität.


Die Idee, dass Partnerschaft am besten funktioniert, wenn beide Seiten möglichst identisch sind, widerspricht der Erfahrung der meisten Menschen. Anziehung entsteht häufig gerade aus dem Unterschied, nicht aus der Gleichheit. Das gilt auch in homosexuellen Partnerschaften, wo dieser Unterschied so gelebt wird, dass er oft auch für Aussenstehende klar ersichtlich ist.

Ein Angebot, kein Zwang

Wir haben einen toxischen Mangel an Männlichkeit. Gesunde Männlichkeit ist kein Zwangskorsett und kein Rückfall in die 1950er. Sie ist die Fähigkeit, die eigenen Stärken anzunehmen, statt sie als Problem zu behandeln. Härte, Verantwortung, Schutzinstinkt, emotionale Selbstkontrolle – das sind keine toxischen Eigenschaften. Sie werden es erst, wenn sie missbraucht werden. Aber das gilt für jede menschliche Eigenschaft.


Für gestandene Männer heisst das: Sichtbar bleiben. Nicht aus Trotz, sondern aus Verantwortung. Junge Männer schauen hin. Sie brauchen keine weitere versteckte Aufforderung zur Selbstkasteiung und keine weitere ideologische Umerziehung. 


Sie brauchen Beispiele von Männern, die zeigen, dass man ein ganzer Mann sein kann, ohne sich dafür zu entschuldigen – und dass genau das am Ende nicht nur dem eigenen Leben, sondern auch den Beziehungen und der Gesellschaft guttut.


Männlichkeit zu leben ist keine Bedrohung. Es ist eine Notwendigkeit.


Und eine Chance.


Denn der echte Mann ist zur Marktlücke geworden. Das ist eine gute Nachricht für alle, bei denen sie ankommt.

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